Der Zeitgestalter in mir!

Ab und an treffe ich Menschen, die mich nach meiner Arbeit fragen. Wie das immer so ist, wenn man sich das erste Mal begegnet und eine freundliche, aber möglichst zwanglose Unterhaltung beginnen will.

„Ich bin Personal Coach, ich helfe Menschen dabei ihre Zeit zu gestalten.“ 

Darauf folgt fast immer die Aussage:  „Also Zeitmanagement und so was!“ 

 

Schluss mit Zeitmanagement

Im heutigen Blog möchte ich noch einmal klarstellen, dass ich mich eben genau nicht mit Zeitmanagement beschäftige. Ja, ich habe dazu schon so einige Bücher gelesen und ja, ich könnte auch stundenlang darüber referieren, trainieren und coachen … aber ich möchte es einfach nicht. Man könnte auf die Idee kommen, dass es daran liegt, dass ich selbst nicht unbedingt das allerbeste Zeitmanagement habe. Aber das ist nicht der Grund – also nicht der offensichtliche. Um zu verstehen, was ich eigentlich genau tue, definieren wir einfach beide Begriffe schnell aus meiner Perspektive. Ich sage das, weil es unzählige Definitionen für ZM gibt und ich mich nun auf eine festlege.

Zeitmanagement ist eine Möglichkeit seine Zeit effektiv, strukturiert und kontrolliert 
für das einzusetzen, was man bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht haben will.

Wer eine Ausarbeitung abzugeben, ein Projekt zu beenden hat oder Informationen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt gesammelt haben muss, wird versucht sein, die Zeit bis dahin zu managen. Wie muss ich mir das vorstellen? Ich nehme de einzelnen Minuten und Stunden, stelle sie schön aufgereiht vor mich und erkläre jeder einzelnen davon, was sie nun zu tun hat?

„He, erste Stunde am Arbeitstag, du bist für meine B Priorität verantwortlich. Kümmere dich drum, dass alles geordnet abläuft! Und du da, Stunde nach der Mittagspause … du bist ja mal wieder total übermüdet … mach trotzdem irgendwas, such dir was aus der C Priorität!“

So kann man seine Zeit füllen. Das ist Zeitmanagement. Es hilft mir sehr klar und kontrolliert vorzugehen.

 

Zeitgestalter sind kreative Künstler

Ich verwende das Wort „gestalten“, um deutlich zu machen, worum es eigentlich geht. Gestalten ist ein kreativer Prozess, es ist etwas Schöpferisches. Wann immer wir kreativ und schöpferisch tätig werden, verlassen wir den kontrollierten Bereich. Kreativität ist nicht linear, sie folgt nicht immer bekannten Regeln. Nur weil man bisher etwas auf eine bestimmte Art und Weise getan hat, muss dies nicht immer gelten. Künstler kreieren Neues. Und dabei gehen sie Risiken ein, enden in einer Sackgasse, kehren um und nehmen eine andere Richtung. Diese Prozesse könnten den Anschein von Chaos oder Planlosigkeit erwecken. Aber wer würde sich neben Van Gogh stellen und nach dem ersten Pinselstrich sagen:

„Du, der war aber nicht nach DIN Norm … und überhaupt, wolltest du nicht eine Straße malen …“

Das Ergebnis wird manchmal erst ganz am Ende deutlich. Zeitgestalter fragen intensiv und voller Hingabe nach dem Warum ihres Tuns bevor sie nach dem Wie fragen. Zeitgestalter machen sich auf die Suche nach ihren Träumen, Sehnsüchten, Bedürfnissen, Herzensangelegenheiten und Wünschen. Das tun sie solange, bis sie glücklich sind mit dem, wer sie sind und was sie tun. Und dann, wenn sie bereit sind ihre Zeit mit kreativen und der eigenen Persönlichkeit entsprechenden Prozessen zu füllen, dann designen sie ihr Leben und nicht selten das Anderer ganz entscheidend mit.

 

Zeitgestalter nutzen die richtigen Tools

Erst wenn ich weiß wer ich bin und was mich auszeichnet, kann ich den Werkzeugkasten aufmachen und das für mich passende Gerät herausholen. Was nützt mir ein Hammer, wenn ich ein Loch bohren muss, oder eine Schaufel, wenn ich ein Fenster einsetzen will. Wer mich kennt, für den ist es wenig überraschend, dass ich mit einem Zeitplanbuch, klaren Prioritäten und festen Strukturen wenig anfangen kann.

Auf die Frage  „Wie lange noch?“  antworte ich gerne  „noch 5 Minuten“ 

Die Tendenz zur Dehnung besagten Zeitabschnittes muss aus einer mir bisher verborgenen Familienlinie kommen, die ihren Ursprung in Italien oder Spanien hat. Ich bin alles andere als ein exakter und wohlstrukturierter Mensch. Aber das Gute ist: Ich muss das auch gar nicht sein. Wer gibt mir denn diese Regeln vor? Erreiche ich weniger Ziele? Schaffe ich weniger in meiner Zeit? Bin ich in dem was ich tue weniger erfolgreich? Meine Wege zum Ziel sind vielleicht andere. Es sind eben meine Wege. Aber ans Ziel komme ich trotzdem.

Zeitgestalter definieren zuerst Begriffe, wie Ziele und Erfolge auf der Grundlage ihres Wissens über sich selbst. Denn dein Erfolg muss nicht meiner sein. Zeitgestalter eifern nicht Vorbildern nach, sie kennen sich so gut, dass sie wissen, was Erfolg für sie persönlich bedeutet und wer sie selbst sind. Sie kennen ihre Identität. Damit finden sie einen kreativen und lebensbejahenden Weg voller neuer Ideen, bis sie an ihrem Ziel ankommen.

Die Frage, die am Ende bleibt, ist: Trauen wir uns die ausgetretenen Wege zu verlassen und Neues zu wagen?

 

 

3 Kommentare
  1. Mona
    Mona sagte:

    Lieber Heiko

    Schon wieder was gelernt….Habe unter der Berufsbezeichnung Coach bisher was anderes verstanden, z.B. was ich tue als Life Coach. Aber die Menschen haben die unterschiedlichsten Schwächen und Bedürfnisse, bei denen ihnen ein Coach auf die Sprünge helfen kann. Jeden- falls ein schöner Beruf, da meistens nachher jemand besser da steht als vorher 🙂
    Übrigens, sehr schönes Blogdesign!
    Grüsse, Mona

    Antworten
    • Heiko Andreas Müller
      Heiko Andreas Müller sagte:

      Liebe Mona,
      ja der Begriff Coach ist leider nicht so klar definiert und angegrenzt, wie zum Beispiel der des Supervisors. Institutionen, wie der Deutsche Coachingring oder der Deutsche Verband für Beratung und Coaching versuchen seit längerem eine Definition.
      LG Heiko

      Antworten
  2. Lille Schnur
    Lille Schnur sagte:

    Hejes,

    Spannende Differenzierung. Gefällt mir.

    Zeitmanagement hat sowas von: du musst reinpassen. So und so kannst du deine Zeit managen, um deine Aufgaben auf die Reihe zu bekommen und nicht zu enttäuschen. Leuten helfen Zeitgestalter zu werden, hilft ihnen sie selbst zu sein, in ihrem Tempo auf ihre Weise – für etwas Neues, nicht etwas Ausgetretenes. Ich liebe den Gedanken, dass wir gemacht sind um zu schaffen und zu gestalten. Fließband ade. Einer, der das auf eine überwältigende Weise umgesetzt hat, ist Antoni Gaudí – unter anderem mit seinem Bau der Sagrada Familia, oder weiteren Bauwerken in Barcelona und co. Unglaublich zu was wir fähig sind, wenn wir schaffen und nicht nur einfach „schaffe schaffe Häusle baue…“

    Lille

    Antworten

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